Vier Jahre für den perfekten Libellenfilm: Von ersten Beobachtungen zur Filmidee

Bild: Bernd Wahl
Was als einfache Naturbeobachtung begann, entwickelte sich über mehrere Jahre zu einem ambitionierten Filmprojekt. Insgesamt investierte ich vier Jahre in meinen Libellenfilm, davon drei Jahre direkt in die Dreharbeiten.
Anfangs war ich mit meinen Aufnahmen nie ganz zufrieden. Doch je intensiver ich mich mit diesen faszinierenden Insekten beschäftigte, desto mehr entdeckte ich ihre außergewöhnlichen Verhaltensweisen und Flugkünste. Aus dieser wachsenden Begeisterung entstand schließlich die Idee, einen eigenen Film über Libellen zu produzieren.
Die Vorbereitung war aufwendig. Zahlreiche Seen erkundete ich zunächst mit einer Actionkamera. Erst wenn sich an einem Gewässer interessante Libellenvorkommen zeigten, kam die professionelle Filmkamera zum Einsatz. So entstand nach und nach ein Netzwerk geeigneter Drehorte.
Naturfilmer werden zu Fachleuten
Wer Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum filmen möchte, muss sich intensiv mit ihnen auseinandersetzen. Auch für mich bedeutete dies, tief in die Biologie der verschiedenen Libellenarten einzutauchen. Besonders wichtig war es, ihre Lebensweise, Fortpflanzung und Verhaltensmuster zu verstehen.
Zu Beginn recherchierte ich eigenständig. Mit zunehmender Erfahrung suchte ich jedoch den Austausch mit Insektenkundlern, die mir wertvolle Einblicke in die Welt der Libellen ermöglichten.
Schnell wurde deutlich, dass für gelungene Makroaufnahmen vor allem die frühen Morgenstunden und die Abenddämmerung entscheidend sind. Bei kühleren Temperaturen bewegen sich die Tiere langsamer und lassen sich deutlich besser beobachten und filmen.
Geduld statt Tarnzelt
Die Suche nach den besten Motiven erforderte viel Zeit. Schätzungsweise die Hälfte der gesamten Projektzeit verbrachte ich mit Beobachtungen und Probeaufnahmen. Spezielle Tarnzelte oder aufwendige Kamerafallen waren dabei jedoch nicht notwendig.

Bild: Bernd Wahl
Libellen sind zwar äußerst schnell, kehren aber häufig zu denselben Ansitzplätzen zurück. Wer ihre Gewohnheiten kennt, kann ihre Bewegungen erstaunlich gut vorhersagen.
Für die Aufnahmen kamen Makroobjektive, Zwischenringe und Lupenlinsen zum Einsatz. Besonders anspruchsvoll war die Schärfeeinstellung. Rund 80 Prozent aller Szenen wurden manuell fokussiert, da die automatische Scharfstellung häufig durch sich bewegende Gräser oder andere Objekte im Hintergrund irritiert worden wäre.
Eine besondere Herausforderung stellten die Flugaufnahmen dar. Da sich Libellen im Flug kaum gezielt verfolgen lassen, entwickelte ich eine eigene Methode: Mit einem Weitwinkelobjektiv auf dem Stativ filmte ich gezielt Bereiche, in denen regelmäßig viele Libellen unterwegs waren. Auf diese Weise entstanden beeindruckende Flugsequenzen.
Der Wert der Geduld
Durch zahlreiche Probeaufnahmen lernte ich die bevorzugten Sitzplätze und Jagdreviere meiner Protagonisten kennen. Das erforderte vor allem eines: Geduld. Viele Stunden verbrachte ich an Gewässern, um die Tiere zu beobachten.

Frustration gehörte dabei nur selten zum Arbeitsalltag. Viel häufiger überwog die Spannung auf die nächste Beobachtung. Kleine Enttäuschungen gab es dennoch – etwa wenn die Kamera bereits perfekt auf einen Ast fokussiert war und sich die erwartete Libelle schließlich wenige Zentimeter daneben niederließ.
Vier Monate Schnittarbeit
Nach Abschluss der Dreharbeiten standen rund fünf Stunden Rohmaterial zur Verfügung. Daraus entstand innerhalb von etwa vier Monaten der fertige Film.
Viele Szenen mussten aussortiert werden, weil sie unscharf waren. Gleichzeitig gab es immer wieder positive Überraschungen: Manche besonderen Momente entdeckte ich erst später auf dem großen Bildschirm, obwohl sie mir während der Aufnahmen auf dem Kameradisplay gar nicht aufgefallen waren.
Auch die Tonbearbeitung stellte eine Herausforderung dar. Originaltöne spielen im Film nur eine untergeordnete Rolle. Zwar sind gelegentlich die Flügelschläge der Libellen zu hören, meist wurden die Aufnahmen jedoch von störenden Hintergrundgeräuschen wie Autos oder Flugzeugen begleitet. Umso wichtiger war die Auswahl passender Musik, die die Atmosphäre des Films transportieren sollte.
Ein Film, der das Publikum begeistert

Der große Erfolg des Films erfüllt mich bis heute mit Stolz. Zwar reizte mich von Anfang an auch die Teilnahme an Wettbewerben, doch besonders freut mich die Resonanz des Publikums. Viele Zuschauer sprachen mich persönlich an und betonten, dass die Auszeichnung mehr als verdient sei.
Die größte Überraschung war jedoch die Nominierung für den Publikumspreis. Noch unerwarteter folgte die Ehrung durch das Kultusministerium des Saarlandes. Für mich bedeutete dies eine besondere Anerkennung meiner jahrelangen Arbeit und meines Engagements für die Naturfilmerei.
Der Film zeigt eindrucksvoll, dass faszinierende Naturdokumentationen nicht nur in exotischen Regionen entstehen. Oft liegen die spannendsten Geschichten direkt vor unserer Haustür – man muss nur bereit sein, sich Zeit für ihre Entdeckung zu nehmen.
Willi Kopfmann